Eine spannende Variante auf den Karlhochkogel

Nach acht Wochen wetterbedingter Pause ging es heute wieder in das Hochschwabgebiet, der Karlhochkogel war das Ziel, jedoch nicht über die normalen Wege. Geplant war die Tour vom Bodenbauer über den Reidelsteinriedel zum Festlbeilstein, danach weiter zum Käfereck und anschließend zum Karlhochkogel. Zurück ging es dann durch das Trawiestal zum Bodenbauer.

Eines sei aber gleich vorweg gesagt, wer nicht schwindelfrei und absolut trittsicher ist, kein ordentliches Orientierungsvermögen besitzt und keine alpine Erfahrung hat sollte diese Tour auf keinen Fall machen. Die steile Rinne beim Käfereck ist nicht zu unterschätzen und wird mit SG1+ angegeben!

Heiß sollte es werden an diesem Tag, also machte ich mich bereits um 4:45 Uhr mit dem Auto auf den Weg zum Bodenbauer in St. Ilgen. Am großen Parkplatz war ich nicht alleine,  ca. 10 andere Wanderer hatten die selbe Idee und flüchteten schon früh vor der großen Hitze in die Berge.

Vom Bodenbauer (884m) geht es zuerst entlang der Forststraße in das Trawiestal hinein. Kurz vor dem Trawiesbach befindet sich ein Wegweiser mit der Aufschrift „Hochschwabgipfel“. Diesem Wegweiser darf man aber nicht folgen, sondern hier geht es geradeaus weiter über eine verwachsene Forststraße zum Reidelstein. Diese Straße wird über insgesamt vier Kehren ausgegangen, hier muss man schon aufpassen um sich bei den einzelnen Kreuzungen nicht zu verlaufen. Durch den dichten Nebel im Tal konnte ich zwischendurch den Sonnenaufgang am Zinken sehen, etwas weiter oben bot sich dann ein geniales Bild zum Buchbergkogel und der Häuslalm.

Sonnenaufgang
Sonnenaufgang am Buchbergkogel

Nach knapp 5km Straßenhatscher war dann das Ende der Forststraße erreicht und ganz unscheinbar beginnt ein Steig direkt in den Wald hinein. Dieser geht sehr steil bis zum Wandfuß des Reidelsteins. Hier muss man aufpassen, ein Steinmännchen auf einem großen Holzstumpf dient hier als Orientierung, der Weg verläuft eigentlich links weiter, um zum Reidelsteinriedel zu kommen muss man allerdings direkt hinter dem Holzstumpf rechts unter der Felswand weitergehen.

Der markante Steinmann am Baumstumpf

Über Windwürfe hinweg geht es dann direkt zwischen den Felsen hinauf zum Reidelsteinriedel. Bereits jetzt wird man von einem herrlichen Panorama überrascht. Die Sicht reicht komplett hinein bis an das Ende vom Trawiestal, gegenüber der G’hacktkogel, Zagelkogel, Stangenwand, Beilstein, Zinken und hinaus bis zum Buchbergkogel. Nicht umsonst wird der Reidelsteinriedel als eine der schönsten Aussichtskanzeln des Hochschwabmassivs bezeichnet.

Festbeilstein und das Trawiestal

Weiter ging es dann über den Reidelsteinriedel (auf ca. 1.500m) zum markanten Festlbeilstein. Immer wieder findet man hier schöne Tiefblicke in das Trawiestal. Bis zum Festbeilstein ist der Steig noch gut zu erkennen, hier sind manchmal Kletterer unterwegs, die Wegfindung war bis hierher noch nicht so problematisch. Direkt unterhalb des Festlbeilsteins ging es dann rechts weiter über große Schotterfelder weglos in Richtung Käfereck zu einer markanten Höhle (auf ca. 1.760m). Ich habe mich dafür entschieden vor dem Käfereck auf die Hochfläche aufzusteigen. Im Internet findet man verschiedene Vorschläge, viele raten von dieser Variante ab und empfehlen nach dem Käfereck aufzusteigen, andere empfehlen die Variante vor dem Käfereck.

Ausrutschen verboten!

Meiner Meinung nach ist es egal für welche Variante man sich entscheidet, wer nicht schwindelfrei und absolut trittsicher ist sollte spätestens jetzt umdrehen. Die Rinne hinauf zum Käfereck hat es in sich, vereinzelt sind kleine Markierungen in Form von auffällig gelegten Steinen vorhanden, eine wirkliche Hilfe waren diese auf den teilweise nassen Felsen jedoch nicht. Auch auf das Fotografieren sollte man sich jetzt nicht mehr so konzentrieren, ohne Zuhilfenahme der Hände kommt man hier keinen Meter mehr weiter.

Hier erkennt man die Steilheit besser

Nach anstrengenden 100 Höhenmetern erreichte ich endlich die Hochfläche und dort gönnte ich mir eine ausgiebige Pause am Käfereck. Das ist auch der Punkt an dem ich zum ersten Mal mein Ziel vor den Augen hatte. Der Karlhochkogel (2.096m) präsentierte sich in der Ferne und ab jetzt war die Wegfindung nicht mehr schwierig. Wichtig auf den nächsten Metern ist nur die Latschenfelder gut zu umgehen, verlaufen kann man sich hier eigentlich nicht mehr (außer bei Nebel, aber da ist auf der Hochfläche sowieso gefährlich!) Kurz vor dem Gipfel weisen dann einige Steinmänner den besten Weg zum Kreuz.

Links mein Ziel, der Karlhochkogel

Am Gipfel angekommen war es dann Zeit die gewaltige Aussicht und das tolle Panorama der Hochschwab-Südwand zu genießen. Am Hochschwabgipfel tummelten sich schon die Menschenmassen, ich war aber fast alleine am Gipfel des Karlhochkogels. Das Gipfelkreuz zählt übrigens unter vielen Wanderern zu einem der schönsten Kreuze im Hochschwabmassiv. Über eine Stunde habe ich am Gipfel verbracht ehe ich den Abstieg über die Hinterwiesen zur Eisgrube angetreten bin.  Am Weg zur Eisgrube sieht man ständig das G’hackte vor sich, und auch die Menschenmassen die sich in der prallen Mittagssonne hinauf gekämpft haben.

Gipfelfoto

Der weitere Abstieg erfolgte dann beim G’hacktbrunn (ca. 1.800m) vorbei und steil hinunter in das Trawiestal. Jetzt war es mit der Einsamkeit vorbei, am Weg hinunter sind mir um ca. 13:00 Uhr mindestens 50 komplett erschöpfte Wanderer entgegengekommen, alle wollten noch auf den Hochschwab, das G’hackte hatten sie aber in der Hitze noch vor sich.

Am Weg durch das Trawiestal sieht man den Festlbeilstein und den Reidelsteinriedel ständig von der anderen Seite, die Felswände sind sehr beeindruckend und bieten ein tolles Panorama. Der Weg hinaus durch das Trawiestal bis zum Bodenbauer zieht sich dann noch ein wenig, ist aber wunderschön zu gehen.

Blick durch das Trawiestal

Fazit: Es war eine traumhafte aber auch anstrengende Wanderung im Hochschwabgebiet, der Karlhochkogel ist meiner Meinung nach ein absolut unterschätzter Gipfel mit einer traumhaften Aussicht. Wer eine leichtere Variante auf den Gipfel machen will, dem empfehle ich den Aufstieg von der Fölz über die Fölzalm und die Windscharte oder vom Bodenbauer durch das Trawiestal und über die Hinterwiesen hinauf (quasi mein Abstiegsweg).

Und hier die Fotos von meiner Tour auf den Karlhochkogel:

Und hier noch ein paar Details zu dieser Tour:

Distanz: 18,50 km

Höhenunterschied im Aufstieg: 1.310 Hm

Gehzeit inkl. Pausen: 8,5 Stunden

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